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Treffen unserer Gilde

Kurzbericht vom Arbeitstreffen unserer Gilde am 28.3.09




 

Die Teilnehmer in Gottsdorf 




100 Jahre Pfadfinder in Bayern

Ein Gottsdorfer war Deutschlands Pfadfinder-Pionier

Seit 100 Jahren gibt es hierzulande Pfadfinder - Jubiläumsfeier und Gedenken an Professor Franz Paul Wimmer - 1909 erste Gruppe gegründet


Von Norbert Pree

Gottsdorf. Vor 100 Jahren, im September 1909, hat der gebürtige Gottsdorfer Professor Franz Paul Wimmer am Alten Münchner Realgymnasium die erste deutsche Pfadfindergruppe gegründet. Diesen Anlass hat der Ring deutscher Pfadfinder in Bayern (RdP) zusammen mit den Untergriesbacher Pfadfindern sowie Gemeinde und Pfarrei in Gottsdorf gefeiert.
Im Rahmen dieser Feier wurde die neu renovierte Grabstätte mit einem Gedenkstein versehen und feierlich eingeweiht.
Professor Franz Paul Wimmer war Lehrer für Naturwissenschaften am alten Münchner Realgymnasium gewesen sowie Erfinder verschiedener optischer Geräte (zum Beispiel des Tageslichtprojektors). Geboren wurde er 1878 in Gottsdorf. Er war Pfadfinder bis zum Tod im Jahre 1966.

Enkel war aus Venezuela angereist

Dr. Oliver Leffler vom Ring Deutscher Pfadfinder in Bayern erinnerte eingangs der Feier an die Entstehung des ersten Münchner Pfadfinderzuges zu Beginn des Schuljahres 1909/1910. Schüler am „Alten Realgymnasium“ in München hatten sich am 25. September 1909 mit Professor Wimmer getroffen. Die erste deutsche Pfadfindergruppe war gegründet.

Die Vorsitzende der Untergriesbacher Pfadfinder Juliane Baierl hatte die Feier eröffnet. Mit dabei war neben den vielen Pfadfinderinnen und Pfadfindern auch aus dem Münchner Bereich, Dr. Carolus Wimmer, Enkel des Pfadfindergründers Franz Paul Wimmer. Dr. Carolus Wimmer ist Vizepräsident des Staatenbündnisses Lateinamerikanische Union und war mit seinem Sohn Daniel extra aus Venezuela angereist.

Stellvertretender Landrat Josef Federhofer würdigte seitens des Landkreises den Einsatz der Pfadfinder und verlas ein Grußwort des Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Dieser lobte den Einsatz der Pfadfinder im Sozialbereich, bei Naturerfahrung und sympathischen Formen von Gruppendynamik und Zusammenhalt. Pfadfinder seien aktiv im Umweltschutz, im Einsatz für ihre Mitmenschen und vor allem im Engagement für einander. Sie übten sich, Verantwortung für sich selbst wie für andere zu tragen, sich selbst und andere weiterzubilden und zu erziehen.

Bürgermeister Hermann Duschl bezeichnete die Pfadfinderschaft als engagierten Baustein im gesellschaftlichen Gefüge des Marktes Untergriesbach.

Nach dem Empfang zogen die Pfadfinder mit ihren Fahnen, begleitet von den Gästen, zur Gottsdorfer Pfarrkirche St. Jakobus. Dort wurde der Gedenkgottesdienst für Franz Paul Wimmer gefeiert. Der Pfadfindergründer in Untergriesbach, Günter Maier, begleitete auf der Gitarre. Pfarrer Erwin Blechinger verwies in seiner Predigt auf den Egoismus in der Gesellschaft. Diese „Ich-Gier“ gelte es zu bezwingen. Er zitierte Pfadfindergründer Baden-Powell: „Das Glück findet man darin, dass der Andere glücklich wird.“

Das Glück, andere glücklich zu machen

Nach dem Gottesdienst segnete Pfarrer Blechinger die neue Gedenktafel am Grabe des Pfadfindergründers Wimmer, wobei alle Pfadfinderfahnen sich zur Ehrenwache aufstellten.

Quelle: Passauer Neue Presse


 

Segnung der Gedenktafel Bild: Erwin Blechinger




Text des Gottesdienstes

Statio:

Lasst uns beginnen – miteinander verbunden im Glauben an den,
in dessen Namen wir uns nun versammelt haben,
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch.

Liebe Pfadfinderinnen und Pfadfinder,
liebe Gäste aus Nah und Fern,
liebe Schwestern und Brüder alle.

Mit der heutigen Feier knüpfen wir Pfadfinder erneut an unsere Vergangenheit, an die Geschichte der Entstehung unserer Bewegung an.

Vor 102 Jahren, am Morgen des 1. August 1907, stieß Pfadfindergründer Robert Baden Powell auf der Insel Brownsea pünktlich um 8.00 Uhr in sein Kudu-Horn, um das erste Pfadfinderlager der Welt feierlich zu eröffnen.
2007 haben wir Pfadfinder weltweit den Geburtstag unserer Bewegung mit zahlreichen Events gefeiert.

Vor 100 Jahren, 1909, gründete Franz Paul Wimmer, den ersten deutschen Pfadfinderzug in München.

Dieser Anlass führt uns heute an sein Grab, an dem wir ihm zu Ehren als Ausdruck unserer Dankbarkeit und Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung der Pfadfinderbewegung und der Verbreitung ihrer Idee ein kleines Denkmal errichten dürfen.

Als Pfadfinder eint uns das Wissen um unsere Verantwortung gegenüber uns selbst, gegenüber unsere Mitmenschen, und gegenüber Gott.

Ihn wollen wir nun loben, ihm das Leben unserer Verstorbenen anvertrauen, ihn um seinen Segen für unsere Bewegung und uns alle bitten.


Kyrie:

Herr, du schenkst uns feine Fäden, mit denen wir unser Leben weiterknüpfen können. Doch oft ergreifen wir sie nicht oder nehmen gar nicht wahr, welche Lebenschancen du uns anbietest.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um dein Erbarmen.

V. Herr, erbarme dich. A. Herr, erbarme dich.

Oft zerschneiden wir die Fäden zum anderen. Wir sehen nicht das, was uns verbindet, sondern eher das, was uns trennt.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um dein Erbarmen.

V. Christus, erbarme dich. A. Christus, erbarme dich.

Oft kümmern wir uns nicht genug um die Verbindung zu dir, weil uns andere Dinge wichtiger sind. Wir sind orientierungslos, wenn du nicht der rote Faden in unserem Leben bist.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um dein Erbarmen.

V. Herr, erbarme dich. A. Herr, erbarme dich.

Vergebungsbitte

Liebe Brüder und Schwestern.

Beim Bau eines Bannermastes, beim Abspannen der Zelte,
beim Binden eines Lagerkreuzes oder beim Aufhängen eines Müllbeutels in der Lagerküche , zum Sichern beim Klettern, beim Knüpfen von (Friedens-) Netzen, beim Verbinden zweier Seile miteinander, beim Annähen eines Knopfes, beim Binden der Schuhe … brauchen wir sie: die Knoten.

Knoten geben Halt, sichern ab, halten Spannung aus, verbinden, tragen Lasten.

Zum Leben eines Pfadfinders gehört es, dass man Knoten beherrscht und Seile somit fachgerecht knüpfen kann.

1975 hat Peter Janssens das Lied „Friedensnetz“, das wir nachher gleich singen werden“ mit einer eingängigen Melodie verfasst: „Jeder knüpft am eignen Netz, versucht rauszuholen, was zu holen ist“

Janssen stellt aber dem immer wieder erlebbaren Egoismus eine Alternative gegenüber: „Wir knüpfen aufeinander zu, wir knüpfen aneinander an, wir knüpfen miteinander, Shalom, ein Friedensnetz“

Der Ichgier und Ichzentriertheit tritt hier Gemeinschaft, gegenseitige Verantwortung, Sorge um das Wohl des Ganzen und damit auch das Wohl des und der anderen entgegen!

Unvergessen bleibt B.P.s Wort:

„Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht. Versucht, die Welt, jede Begegnung und jeden Ort ein bisschen besser zu verlassen als Ihr sie vorgefunden habt.“

Franz Paul Wimmer war nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Pädagoge. In der Ansprache zu seiner Beerdigung am 14. Mai 1966 heißt es:

„44 Jahre hatte er all sein reiches Wissen und unermüdliches Forschen den jungen Menschen geschenkt. Und er hat sein Lehramt nicht erschöpft in der Vermittlung von Wissen. Höher stand ihm noch die Formung zu wahrer Weisheit und wirklicher Tüchtigkeit. Ein gesunder Geist soll herrschen in einem gesunden Leib. Diese ideale Gesinnung musste ihn zum besten Begründer und Förderer der Pfadfinderbewegung Münchens hinführen, der er zeitlebens verbunden blieb.“

Fürbitten:

Guter Gott,
Knoten schaffen eine Verbindung zwischen zwei Seilen.
Wir bitten dich:
Schenke uns den Mut und die Bereitschaft, selber Knoten zu sein, um Verbindungen zwischen Menschen zu knüpfen.

Guter Gott,
Knoten können enorme Belastungen aushalten.
Wir bitten dich:
Lass uns immer wieder deine Nähe erkennen und spüren, um im Vertrauen auf dich Knoten zu sein, die den Anforderungen und Belastungen des Alltags standhalten können.

Guter Gott,
Knoten sind ausschlaggebend dafür, dass Konstruktionen und Bauten, besonders im Lager, den entsprechenden Halt bekommen.
Wir bitten dich:
Schenke uns die Kraft, selber Knoten zu sein, der im Zusammenleben anderen Halt und Sicherheit geben kann.

Guter Gott,
Es gibt unterschiedliche Knoten, die je nach Anforderung bestimmte Eigenschaften erfüllen.
Wir bitten dich: Lass uns erkennen, über welche speziellen Eigenschaften wir verfügen und hilf uns, sie sinnvoll und gezielt für eine friedlichere und gerechtere Welt einzusetzen.

Guter Gott,
mit diesem Gottesdienst knüpfen wir an die Vergangenheit an. Wir denken an die Verbreitung der pfadfinderischen Idee und die Gründung des 1. Pfadfinderzuges in München durch Franz Paul Wimmer.
Wir bitten dich: Schenke Ihm und allen verstorbenen Pfadfindern die Seligkeit bei dir.



Arbeitstreffen Frühjahr 2009